Einsatz von Nematoden zur biologischen Schädlingsbekämpfung

Nützlinge können zur biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden, ohne dafür auf chemische Mittel zurückgreifen zu müssen. Dabei helfen unterschiedliche Nützlinge gegen unterschiedliche Schädlinge. Grundsätzlich sorgen sie aber für ein biologisches Gleichgewicht im Garten und an anderen Orten.

Zu diesen Nützlingen werden auch einzelne Stämme der Nematoden gezählt. Sollten bei Ihnen z.B. kleine Fliegen in der Blumenerde sein, können Sie diese Nützlinge zur Bekämpfung einsetzen und so das biologische Gleichgewicht wiederherstellen. Die kleinen Fadenwürmer können aber auch noch gegen viele weitere Schädlinge eingesetzen werden. Welche Schädlinge Sie mit den Nematoden bekämpfen können, wie sie genau ausgebracht werden müssen und welche Vorteile der Einsatz von Nematoden mit sich bringt, all das erfahren Sie in diesem Artikel.

Was sind Nematoden?

Bei Nematoden handelt es sich um wirbellose Fadenwürmer, von denen der überwiegende Teil nicht einmal einen Millimeter groß ist. Daher sind sie für das menschliche Auge nicht wirklich sichtbar, mit einem Mikroskop können sie aber deutlich erkannt werden. Insgesamt gibt es ungefähr 20.000 unterschiedliche Arten an Nematoden, wovon einige sehr nützlich bei der biologischen Schädlingsbekämpfung sein können. Sie lagern sich in tierischen Organismen an, um sie zu zerstören, was auch der Grund dafür ist, warum sie als Nützlinge bezeichnet werden. Es gibt aber auch Arten, die bei Menschen, Tieren oder Pflanzen einige Krankheitssymptome hervorrufen können. Diese eignen sich natürlich nicht für den Pflanzenschutz und die biologische Schädlingsbekämpfung.

Lebensweise der Nematoden

Fortbewegung der Nematoden

Fortbewegung der Nematoden
By Bob Goldstein http://labs.bio.unc.edu/Goldstein/movies.html (Own work) [GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Um sich fortzubewegen, nutzen die Nematoden eine spezielle Längsmuskulatur, die vom Kopf bis zum Körperende reicht. Wird diese zusammengezogen, sind die Tiere in der Lage, sich ähnlich wie eine Schlange fortzubewegen oder auch einen Körperteil nach oben zu strecken. Die Männchen sind in der Regel etwas kleiner und haben einen gebogenen Schwanz, wodurch sie sich von den Weibchen unterscheiden lassen. Frei lebende Arten fressen unter anderem verschiedene Bakterien, Algen, Pilze, räuberisch erbeutete Tiere, Fäkalien oder Aas.

Unter den Nematoden gibt es auch einige Arten, die parasitisch in Pflanzen, Tieren oder auch dem Menschen leben. Genau diese Lebensweise macht man sich bei der biologischen Schädlingsbekämpfung zunutze. Unter den parasitisch lebenden Nematoden gibt es nämlich wiederum Stämme, die sich auf unterschiedliche Insektenlarven spezialisiert haben. Diese dringen in die Larven ein und geben sogenannte symbiontische Bakterien ab. In der Regel stirbt der Schädling dann nach 24 bis 48 Stunden und nimmt eine rot-braune Farbe an. Im Anschluss vermehren sich die Nematoden so lange, bis die Larve ganz aufgezehrt ist. Dann verlassen sie den Kadaver und befallen neue Schädlinge.

Welche Schädlinge können mit den unterschiedlichen Stämmen bekämpft werden?

Es gibt unterschiedliche Nematoden-Stämme, die jeweils nur gegen eine Schädlingsart wirken. Daher ist es sehr wichtig, vor dem Ausbringen der Nützlinge das Insekt genau zu bestimmen. Ist die Identifizierung eindeutig gelungen, können folgende Schädlinge mit den entsprechenden Nematoden bekämpft werden:

Diese Liste ist längst nicht vollständigt, zeigt aber bereits die Vielfalt der Schädlinge, die mit den unterschiedlichen Stämmen bekämpft werden können. Wenn Sie auf den jeweiligen Nematoden-Stamm klicken, gelangen Sie übrigens direkt zum Onlinehändler Amazon und können die Nützlinge gleich bestellen.

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Wie und wann kommen Nematoden zum Einsatz?

Nematoden werden über einen längeren Zeitraum und während des kompletten Entwicklungszyklus des Schadinsektes, zur biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Dies kann mehrere Monate, Quartale oder auch Jahre dauern. Dickmaulrüssler beispielsweise werden idealerweise zwischen April und Juli bekämpft. Gegen die Larven des Apfelwicklers hingegen, werden sie erst nach der Ernte der Früchte ausgebracht. Zur Bekämpfung von Trauermücken und in einem Gewächshaus, können die Nützlinge auch durchaus das ganze Jahr über angewendet werden.

Alle Nematoden werden in Wasser gegeben und dann auf die jeweilige Fläche ausgebracht. Für einen kleinen Privatgarten kann hierfür eine herkömmliche Gießkanne verwendet werden. Um größere Flächen mit Nematoden zu versehen, gibt es spezielle Pumpen und Spritzen.

Es gilt zu beachten, dass die erwachsenen Insekten nicht bekämpft werden. Wer seinen Garten dauerhaft von lästigen Schädlingen befreien will, sollte die Nützlinge zwei oder drei Jahre nacheinander ausbringen. Dadurch wird die Schädlingspopulation immer geringer und kann sich auch nicht wieder vergrößern.

Welche Umweltbedingungen benötigen die Nützlinge, um ihrer Arbeit perfekt nachgehen zu können?

Die Nützlinge benötigen zur biologischen Schädlingsbekämpfung einen feuchten oder nassen Boden um sich fortbewegen zu können. Daher sollte dieser einige Minuten vor dem Ausbringen ausreichend gewässert und stets feucht gehalten werden.

Die Fadanwürmer werden erst ab einer Bodentemperatur von 12 Grad Celsius richtig aktiv. Daher sollten die Nützlinge nicht im Frühjahr ausgebracht werden. Zu warm (über 28 Grad) darf es aber auch nicht sein, da der Boden sonst zu schnell austrocknet, die Tiere sich dann nicht mehr richtig bewegen und ihrer Arbeit nachgehen können.

Nematoden

Nematoden sind pseudocoelomate Organisation, von denen viele Parasiten von Pflanzen und Tieren sind.
CSIRO [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons

Welche Vorteile hat der Einsatz von Nematoden?

Grundsätzlich haben Nematoden keine Nebenwirkungen, sodass die Gewächshäuser ohne Probleme begangen werden können und keine Wartezeit notwendig ist. Die eingesetzten Stämme schaden weder Menschen, noch Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen, die sich im Boden befinden. Zudem ist die Ausbringung der Nützlinge sehr einfach und schnell erledigt. Gegenüber chemischen Pflanzenschutzmitteln sind sie relativ unempfindlich und können für die biologische Schädlingsbekämpfung sehr nützlich sein. Nematoden hinterlassen keine Rückstände in Früchten und Gemüse.

Ein kleiner Nachteil ist hingegen, dass die Nützlinge nur kurz gelagert werden können und dies bei vier bis sechs Grad Celsius. Wird eine Packung angebrochen, muss diese möglichst schnell verbraucht werden. Daher sollte stets das aufgedruckte Verfallsdatum beachtet und die Fadenwürmer erst kurz vor dem Anwendungszeitraum bestellt werden.

Gelten Nematoden auch als Schädlinge?

Viele Nematoden-Arten beeinflussen den Stoffwechselkreislauf von Pflanzen, indem sie in das Wurzelsystem dieser eindringen. Dadurch können sie durchaus auch als Schädlinge angesehen werden. Denn auch in der Landwirtschaft haben sie nicht nur positive Wirkungen. Beispielsweise können sie den Anbau von Kartoffeln stören. Denn sie verfügen über einen Mundstachel, mit dem sie das Pflanzengewebe durchdringen und dabei ein spezielles Speichelsekret abgeben, das zu Veränderungen des Gewebes führen kann. Im schlimmsten Fall können pflanzenfressende Nematoden bewirken, dass eine Pflanze stirbt.

Eine sehr schädliche Nematoden-Art sind die sogenannten Rübenzystennematoden (Heterodera schachtii). Sie befällt die Wurzeln verschiedener Pflanzen, wie zum Beispiel Spinat, Rüben oder Raps und richtet auf diese Weise enorme Schäden an. Denn nicht selten kommt es dadurch zu einer sogenannten Rübenmüdigkeit. Diese tritt vor allem dann auf, wenn Pflanzen zu lange Zeit auf einer bestimmten Fläche bewirtschaftet werden. Dadurch bilden sich beispielsweise an Zucckerrüben viele Seitenwurzeln und die Rüben selber werden nicht mehr so groß wie sonst. Somit kann es durch die Krankheit zu enormen Ertragseinbußen kommen.